Pudel · FCI-Nr. 172
Groß-, Klein-, Zwerg- und Toypudel sind eine Rasse und ein Standard. Was bei den Elterntieren untersucht werden muss, ist trotzdem nicht dasselbe.
Der Pudel gilt als intelligent, elegant und anhänglich, und sein nicht haarendes Fell hat ihn zu einem der beliebtesten Begleithunde gemacht. Ursprünglich ist es eine robuste, athletische Rasse. Und genau das ist das Zuchtziel geblieben: der elegante, quadratische Körperbau ohne anatomische Übertreibungen.
Nur gibt es diesen Hund in vier Ausgaben. Sie unterscheiden sich nicht im Wesen und nicht im Standard, sondern in der Statik.
Beim großen Pudel steht das Hüftgelenk im Vordergrund: eine schmerzhafte Fehlentwicklung, die zu Arthrose und erheblicher Bewegungseinschränkung führen kann. Sie wird geröntgt, und die Zuchtzulassung ist abgestuft: So sinkt der Schweregrad in der Population von Generation zu Generation, ohne dass der Genpool unnötig schrumpft.
Bei den kleineren Varietäten liegt die häufigste Gelenkerkrankung anderswo: an der Kniescheibe, die aus ihrer Führung springt. Sie wird orthopädisch untersucht, und auch hier wird gestuft statt pauschal ausgeschlossen.
Beides ist dieselbe Rasse und dasselbe Programm. Zugeschnitten wird es auf die Größe, weil das Risiko sich mit der Größe ändert — nicht, weil man es sich einfacher machen wollte.
Das dichte, lockige Haarkleid ist das Erkennungsmerkmal der Rasse, und es verdeckt zuverlässig alles, was darunter passiert. Deshalb gehört die Haut zur Zuchtuntersuchung: Eine entzündliche Erkrankung der Talgdrüsen führt zu Fellverlust und zu Folgeinfektionen; ihre Vererbung ist komplex, ein Gentest existiert nicht.
An dieser Stelle ist das Programm bewusst streng: Es gibt hier keine bedingte Zuchttauglichkeit. Bereits der begründete Verdacht schließt ein Tier aus — beim Hund selbst wie bei seinen Eltern.
Unabhängig von der Größe trägt die Rasse eine erhebliche erbliche Belastung im Auge. Für eine Netzhauterkrankung, die unweigerlich zur Erblindung führt, gibt es einen zuverlässigen Gentest, und damit die einfachste wirksame Regel der modernen Zucht: Ein Träger darf verpaart werden, aber nur mit einem genetisch freien Partner. Dann erkrankt kein Nachkomme, und der gesunde Träger bleibt der Rasse erhalten.
Ein Gentest beantwortet allerdings immer nur die eine Frage, die er stellt. Deshalb kommt eine ausführliche Untersuchung durch einen Augenfachtierarzt hinzu, die auch das findet, wofür es keinen Test gibt. Ebenfalls für alle vier: eine erbliche Störung der Blutgerinnung, die bei betroffenen Hunden zu lebensbedrohlichen Blutungen führen kann, und das Herz — abgehört bei jeder Untersuchung, mit Ultraschall weiterverfolgt, sobald ein Geräusch auffällt.
Derselbe Name ist nicht dasselbe Risiko.
An einem acht Wochen alten Welpen ist keine dieser Fragen zu sehen — weder das Hüftgelenk noch das Knie, weder die Netzhaut noch die Haut unter dem Fell. Sie entscheiden sich alle bei den Elterntieren, lange bevor der Wurf geplant wird.
Sie müssen deshalb keine Befunde lesen und auch nicht danach fragen. Ob die Elterntiere nach dem Programm dieser Rasse und dieser Varietät zuchttauglich befundet waren und ob die Verpaarung zulässig war, steht im Zertifikat des Welpen. Auf der Urkunde steht ein Kontrollcode: Den tippen Sie auf der ZEUS-Website ein und sehen selbst, ob das Zertifikat echt ist und zu diesem Hund gehört. Für Sie kostenlos.